Die
Grundlagen der Fortpflanzung
Die
weiblichen Geschlechtsorgane
Die weiblichen Geschlechtsorgane bestehen aus den Eierstöcken
(Ovarien) (a), den Eileitern (b), der Gebärmutter (Uterus) (c) und der
Scheide (Vagina) (d).

Weibliche Geschlechtsorgane

Das
Reservoir an Eizellen der Eierstöcke
Schon
sehr früh während der Entwicklung des Menschen enthalten die Eierstöcke
alle Eizellen, auch "Ovozyten" genannt, die zur Fortpflanzung benötigt
werden. Die Anzahl der Eizellen, das Follikelkapital, ist ab dem 5.
Monat der intrauterinen Phase festgelegt. Von da ab nimmt die Zahl der
Eizellen ständig ab, erst schnell bis zur Geburt und danach langsamer.
Zum Zeitpunkt der Menopause sinkt die Zahl der Eizellen praktisch auf
null herab.

Der
Menstruationszyklus

Menstruationszyklus
Die
Menstruationszyklen setzen mit der Pubertät ein. Der Menstruationszyklus
beginnt mit der Monatsblutung und dauert bei den meisten Frauen 28 bis
30 Tage. Während dieses Zyklus finden in den Eierstöcken und der Gebärmutter
eine Reihe aufeinanderfolgender Veränderungen statt, welche von speziellen,
zyklisch produzierten Botenstoffen, den Hormonen, gesteuert werden.
Die Hormone steuern die Kommunikation der Geschlechtsorgane sowohl untereinander,
als auch mit der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse), einer Drüse, die sich
an der Schädelbasis befindet.
Der Menstruationszyklus kann in drei aufeinanderfolgende Phasen aufgeteilt
werden:
1.
Die Follikelphase (oder Reifungsphase eines Follikels)
Jeden neuen Monat werden ungefähr 50 Eizellen, die sich in dem großen
Reservoir der Eierstöcke befinden, empfindlich für die Wirkung der Hormone.
Mit Ausnahme einer einzigen Eizelle, gehen normalerweise alle anderen
Eizellen zugrunde (Atresie). Diejenige, die völlig ausreift, befindet
sich in einem kleinen Bläschen (Eibläschen oder Follikel) und schwimmt
in einer Flüssigkeit (Follikelflüssigkeit). Von dem Follikel stimulierenden
Hormon (FSH) angeregt, wächst das Eibläschen zunehmend an der Oberfläche
des Eierstocks heran und erreicht kurz vor dem Eisprung (Ovulation)
eine Größe von etwa zwei cm. Die Eizelle ist eine große Zelle, die etwa
ein Zehntel Millimeter misst. Im Gegensatz zu allen anderen Zellen des
menschlichen Körpers trägt die Eizelle nur die Hälfte der Zahl an Chromosomen,
nämlich 23, welche die genetische Botschaft enthalten, die die Frau
ihren Nachkommen weitergibt. Der endgültige Bestand an Chromosomen oder
Genen des Embryos wird erst erreicht nachdem 23 weitere Chromosomen
von einem Spermium hinzugefügt wurden. Während der Follikelphase produzieren
die Eierstöcke auch Hormone, die östrogene. Diese Hormone bereiten die
Gebärmutter darauf vor, unter Umständen ein Embryo aufzunehmen.
2. Die Ovulationsphase
Etwa
14 Tage nach dem Beginn der Monatsblutung kommt es zum Eisprung (Ovulation).
Bei Frauen, die einen Monatszyklus von 28 Tagen haben, bedeutet dies,
dass der Eisprung am 14. Tag des Monatszyklus erfolgt. Für Frauen, die
einen längeren Monatszyklus haben, ist der Eisprung dahingegen verspätet.
In diesem Fall ist sein genauer Zeitpunkt schwieriger zu bestimmen.
Bei dem Eisprung platzt der Follikel, und die Eizelle wird aus dem Follikel
ausgestoßen und von dem Eileiter aufgefangen. Der Eisprung wird durch
ein anderes Signal, das von der Hirnanhangsdrüse kommt (luteinisierendes
Hormon, genannt LH), ausgelöst. Die Eizelle beginnt nun ihre Wanderung
zur Gebärmutter.
3.
Die Gelbkörperphase (oder Vorbereitungsphase der Gebärmutter auf die
eventuelle Einnistung eines Embryo)
Während
dieser Phase wird die Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) auf die Einnistung
eines Embryos, der aus der Befruchtung einer Eizelle durch ein Spermium
hervorgegangen ist, vorbereitet. Dieser Vorgang unterliegt einem Hormon,
das von dem Follikel produziert wird, welcher die Eizelle freigegeben
hat. Dieser nun leere Follikel wandelt sich in den sogenannten Gelbkörper
um, welcher ein neues Hormon, Progesteron, ausschüttet.

Die
männlichen Geschlechtsorgane

Die männlichen Geschlechtsorgane
Die
männlichen Geschlechtsorgane bestehen aus dem Penis (1), den Hoden (2),
den Nebenhoden (3), den Samenleitern (4), den Samenbläschen (5) und
der Vorsteherdrüse (Prostata) (6). Auf ähnliche Weise, wie das bei der
Frau geschieht, stehen diese Organe untereinander und mit der Hirnanhangsdrüse
in Wechselwirkung.
Der Samen (Sperma) setzt sich aus der Samenflüssigkeit, die von verschiedenen
Drüsen (Vorsteherdrüse und Samenbläschen) produziert wird, und den Spermien,
die in den Hoden gebildet werden, zusammen. Ein Milliliter Samen enthält
normalerweise 20 bis 100 Millionen Spermien, und mindestens 40 Prozent
dieser Zellen sind beweglich.
Damit sich die Spermien im Samen befinden können, müssen sie nicht nur
von den Hoden produziert werden, sondern auch die verschiedenen, funktionnel
wichtigen Stationen der Exkretionswege (Nebenhoden, Samenleiter, Samenbläschen)
durchwandern.
Die
Spermien enthalten das Erbgut, das der Mann seinen Nachkommen weitergibt.
Wie die Eizellen enthalten die Spermien nur halb so viele Chromosomen
wie die übrigen Körperzellen (23 Chromosomen). Darüber hinaus befindet
sich im Spermium dasjenige Chromosom, das alleine das Geschlecht des
entstehenden Kindes bestimmt (X-Chromosom für Mädchen oder Y-Chromosom
für Jungen).

Schema eines Spermiums
Das
Spermium besteht aus zwei Teilen, dem Kopf (1) und dem Schwanzstück
(2). Das Spermium ist nur 0,050 mm lang und dementsprechend wesentlich
kleiner als die Eizelle. Der Kopf wird von einer Kappe bedeckt, die
Akrosom (3) genannt wird, und biologisch aktive Moleküle (Enzyme) beherbergt.
Die Aufgabe der Enzyme ist es, die Hülle der Eizelle zu durchbohren,
damit das Spermium in die Eizelle eindringen und seinen Inhalt an Chromosomen
abgeben kann. Die Bewegungen des Schwanzstücks vermitteln dem Spermium
die Beweglichkeit, die es ihm ermöglicht, bis zur Eizelle zu gelangen.

Etappen
einer natürlichen Befruchtung

Etappen einer natürlichen Befruchtung
Während des Geschlechtsaktes werden die Spermien im hinteren
Teil der Scheide deponiert (1). Dort erreichen sie schnell den Zervixschleim
des Gebärmutterhalses (2), eine Umgebung, in der die Spermien bis zu
drei Tagen überleben können. Dort beginnen die Spermien die Wanderung
in die Gebärmutter (3) und danach in die Eileiter (4). Im äußeren Drittel
der Eileiter begegnen die Spermien der Eizelle (5), die vom Eierstock
(6) ausgestoßen wurde.
Die Etappen der Entwicklung des Embryos und der Einnistung
Die
Befruchtung kann stattfinden, sobald sich Spermien und eine Eizelle
(1) begegnen. Lediglich ein einziges Spermium kann in die Hülle der
Eizelle (2) eindringen. Die so befruchtete Eizelle (Zygote) entwickelt
sich schnell weiter und wandert dabei durch den Eileiter (4, 5 und 6).
Etwa 16 bis 18 Stunden, nachdem sich Eizelle und Spermium vereinigt
haben, sind deren beider Zellkerne nebeneinanderliegend gut in der Zygote
zu erkennen. Die Verschmelzung der Zellkerne der Eizelle und des Spermium
(3) führt zur Entstehung eines neuen Zellkerns, der das Erbgut des Embryos
enthält (46 Chromosomen).
Ungefähr
30 Stunden nach der Befruchtung beginnt sich der Embryo zu teilen. Die
Zellteilungen erfolgen in einem Rhythmus von 12 bis 16 Stunden. Der
Embryo teilt sich in immer kleinere Zellen auf (genannt Blastomere)
und erreicht schließlich das Beerenstadium (Morula). Der Embryo wird
dabei nicht größer und befindet sich in der gleichen Schutzhaut (Eihülle
oder Zona pellucida) wie die Eizelle, von der er abstammt.
Im
Stadium von ungefähr 10 Zellen (oder Blastomeren) beginnen sich diese
Zellen zu verdichten. Dies bedeutet, dass die Zellen von einer rundlichen
in eine pflastersteinartige Form übergehen, welche ihnen ermöglicht,
die Kontaktfläche zwischen den Zellen zu vergrößern.
Ungefähr
am 5. Tag nach der Befruchtung findet eine weitere entscheidende Verwandlung
statt. Dabei entsteht in der Morula eine Flüssigkeit, die sich in einem
Hohlraum ansammelt, der Blastozele genannt wird. Der Embryo hat nun
das Stadium des Blastozysten erreicht. Die Blastozyste besteht aus einer
einzelligen, den inneren Hohlraum umgebenden, Schicht aus der sich u.a.
das Mutterkuchengewebe (Plazenta) entwickelt, und einer internen Zellmasse
aus dem der Fötus hervorgeht.
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Expandierte
Blastozyste |
Die Blastozele weitet
sich danach schrittweise aus und dehnt die einzellige Schicht und die
Eihülle die sie noch umgibt. Die Ausdehnung der Blastozyste beginnt
gegen Ende des 5. Tages und schließlich platzt die Eihülle. Dieser Vorgang,
bei dem der Embryo aus ungefähr 100 Zellen besteht, wird als Schlüpfen
der Blastozyste bezeichnet.
Die
Blastozyste (7) gelangt so in die Gebärmutter und findet dort, durch
die hormonale Wirkung des Gelbkörpers bedingt, eine geeignete Umgebung
vor, um sich in der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) einzunisten
(8) und während der 9 Monate der Schwangerschaft zu entwickeln.
Es
müssen demnach viele Voraussetzungen erfüllt sein, damit eine Schwangerschaft
eintreten kann. Die Geschlechtsorgane der Frau als auch die des Mannes
müssen optimal funktionieren, damit der Eisprung und die Befruchtung
normal vonstatten gehen und sich der daraus hervorgehende Embryo korrekt
in der Gebärmutter einnisten kann.
Für ein normal fruchtbares Paar schätzt man die Wahrscheinlichkeit,
dass es während eines Zyklus zu einer Schwangerschaft kommt, auf ungefähr
25 Prozent. Dabei kann es zu vielen verschiedenen Störungen kommen.
In solchen Fällen spricht man von Unfruchtbarkeit (Sterilität) oder
eingeschränkter Fruchtbarkeit (Infertilität).